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9/19/2017

Ich möchte Katzen züchten

Die seriöse und verantwortungsvolle Katzenzucht ist ein teures sowie zeitraubendes hobby. Du benötigst nicht nur das Wissen, wie man die Tiere artgerecht hält und ernährt, sondern auch über die Genetik, Trächtigkeit, Entwicklung von Katzen und für den Fall der Fälle über die Aufzucht von Katzenkindern mit der Flasche. Des weiteren solltest du genügend finanziellen Puffer haben, falls es mal zu Komplikationen kommen sollte.

Um das Ganze verantwortungsvoll angehen zu können, kannst du nicht einfach Kater auf Katze setzen und wild drauf los Kitten produzieren. Das alles benötigt gute Planung und einiges an Vorbereitung.

Zuerst solltest du dir ein Zuchtziel setzen. Die Frage ist: Warum willst du eigentlich züchten?
Du wirst von keinem seriösen Züchter eine Antwort a la "Weil Kitten so süß sind" bekommen. Jeder einzelne verfolgt sein Ziel. Dieses kann sein eine Rasse zu verbessern, sie frei von Erbkrankheiten oder Einschränkungen zu bekommen. Erst danach kannst du dir überlegen, welche Rasse du mit deiner Zucht verhelfen möchtest. Diese Entscheidung ist individuell und jeder hat seinen eigenen Geschmack.
Nun kommt der Punkt, an dem du dir Gedanken machen solltest, ob  du wirklich alle Voraussetzungen für eine gute Zucht erfüllst bzw erfüllen kannst.

  • Hast du genügend finanzielle Rücklagen, um alle Tiere gerecht versorgen und ärztlich betreuen zu können?
  • Kannst du im Notfall mehrere Hundert Euro bezahlen, um Leben zu retten?
  • Hast du in der Familie genug Unterstützung, sodass du die Trächtigkeit, die Geburt und Aufzucht nicht alleine meistern musst?
  • Kannst du einer Handaufzucht gerecht werden, falls es sein muss? Das bedeutet alle zwei Stunden (auch Nachts) zu füttern?
  • Ist dein Tierarzt auch Nachts, am Wochenende sowie an Feiertagen bereit für dich erreichbar zu sein und sich um deine Tiere zu kümmern?
  • Gibt es jemanden, der sich um die Kitten kümmert, wenn du keinen Urlaub hast?
  • Ist dein Tierarzt erfahren und kann dir auch bei den kleinsten Kitten kompetent zur Seite stehen?
  • Kannst du damit umgehen, dass Kitten während oder kurz nach der Geburt sterben?
  • Erträgst du es, die Geburt von deformierten und schwer kranken Kitten mit anzusehen und sie ggf zu erlösen?
  • Kannst du damit umgehen, wenn ein ganzer Wurf mit der Mutterkatze bei der Geburt verstirbt?
  • Bist du vernünftig genug, Kitten und Jahre lang gehaltene Kastraten abzugeben, wenn es sein muss?
  • ...

Du erfüllst all diese Dinge? Dann ist es an der Zeit, dir viel, sehr sehr viel Wissen anzueignen. Du solltest dich als Züchter mit der Haltung, Genetik, Erbkrankheiten, uvm. auskennen.

Das Ganze kannst du dir aus Fachbüchern ziehen, das Internet, spezielle Seminare und auch in Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Züchter - deinem Mentor.

  • Welche Erbkrankheiten können auftreten, bei der Rasse, die ich züchten will?
  • Wie kann ich diese feststellen und verhindern?
  • Wie werden Farben, Merkmale und Krankheiten überhaupt vererbt?
  • Welche Gesundheitstest muss ich vor- und während der Trächtigkeit durchführen?
  • Gibt es Blutgruppenunverträglichkeiten?
  • Wie läuft eine Katzengeburt ab?
  • Was brauche ich für die Geburt?
  • Was mache ich bei Komplikationen?
  • Wie erkenne ich Gesundheitsschäden bei der Geburt?
  • Wie ziehe ich Kitten mit der Hand auf?
  • ...

Um all das nicht alleine durchzustehen, solltest du dir, wie oben bereits erwähnt, einen Mentor suchen. Der Mentor sollte bereits viel Erfahrung bei der Zucht haben und bereit sein, dir bei deiner neuen Zucht jederzeit zur Seite zu stehen.

Nicht außer Acht zu lassen ist die Wahl des richtigen Vereines. Die Zuchtrichtlinien sollten mit deiner Vorstellung der seriösen Zucht übereinstimmen. Um Stammbäume für deine Katzen beantragen zu können, und somit ihre reinrassige Abstammung nachweisen zu können, musst du Vereinsmitglied sein.
Deine Cattery wird gegen einen Geldbetrag dort eingetragen. Regelmäßig stehen natürlich Mitgliedsbeiträge an.

Der Verein gibt zum Beispiel vor, ab welchem Alter deine Katze werden darf, wie oft und welche Gesundheitsvorsorge du zu machen hast


Möchtest du einen eigenen Deckkater, oder doch lieber Fremddecken?

Ob du einen eigenen Deckkater halten möchtest und kannst, musst du ganz für dich alleine entscheiden. Bei potenten Tieren kann es immer mal zu Problemen in der gesamten Katzengruppe kommen. Ebenso ist es sehr wahrscheinlich, dass ein potenter Kater in der Wohnung markiert.
Du solltest auch beachten, dass es mit einem einzigen Deckkater nicht getan ist, denn irgendwann würde das ganze zur Inzucht führen.

7/06/2017

Die "richtigen" Katzen finden

Egal ob es die ersten Katzen sind oder ein Partner für die Vergesellschaftung: der Charakter der Katze(n) ist super wichtig!

Grundlegend ist es zu empfehlen, Katzen mit dem gleichen Alter, Geschlecht und Charakter zu nehmen.
Eine 8 Jahre alte Katzendame wird Probleme mit einem 12 Wochen alten Kitten haben - und das für immer. Da kannst du dich auf Mobbing, Zerstörungswut und Unausgeglichene Katzen einstellen.

Worauf musst du nun beim Katzenkauf - oder wie ich es lieber habe: beim adoptieren der Katzen - achten?

Kitten dürfen nicht vor der 12. Lebenswoche (am besten 14.-16. Lebenswoche) von der Mutter und den Geschwistern getrennt werden, denn erst dann haben sie die notwendige Sozialisierungsphase erlebt. Ein Kitten, welches zu früh weggegeben wird, kann Neurosen und Angewohnheiten entwickeln, welche du meistens nicht wieder beheben kannst. außerdem ist die Vergesellschaftung schwieriger, da die typischen sozialen Aspekte der Katze noch nicht vermittelt wurden.

Die Katzen sollten Klare, saubere Augen und Ohren aufweisen, ebenso ein seidiges und glänzendes Fell und eine saubere Po-gegend haben.
Kratzt oder schütteln sich die Katzen oft, ist das ein Indiz für Flöhe oder andere Parasiten (z.B. Ohrmilben), welche man nur schwer mit dem bloße Auge entdecken kann.

Die anderen Katzen aus dem Wurf, sowie die Eltern, sollten gesund, munter und aufgeweckt sein. Die generelle Umgebung sollte sauber, dennoch "bewohnt" aussehen - denn hier wohnen schließlich Katzen. Wenn also Spielzeug etc herumliegt, ist das nicht weiter dramatisch. Extrem sterile Räumlichkeiten deuten eher darauf hin, dass etwas nicht stimmt.

Falls über Gesundheitszeugnisse und Tests gesprochen wird, solltest du dir diese aufjedenfall ansehen, insbesondere wenn es die Elterntiere betrifft. Ein schlechtes Zeichen ist es, wenn Tiere von der Gruppe separiert gehalten werden. Oftmals trifft dieses Schicksal den Deckkater, da das Markieren und somit die Geruchsbildung als lästig und störend angesehen wird. Ein guter Züchter geht mit solchen Situationen anders um und legt Wert darauf, dass alle Tiere Anschluss in der Familie finden.

Handelt es sich um reinrassige Katzen, so gehört immer .der Stammbaum zur Katze! Besonders unseriöse "Züchter" (Vermehrer) behaupten gerne, dass sogenannte "Liebhabertiere" ohne abgegeben werden, da ansonsten die Kosten zu hoch wären. Tatsächlich belaufen sich die Kosten eines Stammbaumes auf etwa 25-50€. Wichtig ist auch der Impfass, mit dem jede Katze ausgestattet und ausziehen sollte. Kann der Besitzer diese Dokumente nicht vorweisen, solltest du misstrauisch werden und von dort keine Katze nehmen.

Woher sollen die Katzen kommen?

Du hast dich nun für die Katzen entschieden und nun kommt die Frage auf: "Woher soll ich diese holen?" Es gibt einige Bezugsquellen und mindestens genau so viele, von denen du lieber Abstand halten und keine Katzen holen solltest.
Ich möchte dir die gängigsten aufzeigen und ein wenig dazu erklären.

seriöse Züchter

Züchter haben sich auf ein- oder zwei bestimmte Rassen spezialisiert. Bei ihnen bekommst du die Katzen mit Stammbaum und Gesundheitszeugnis, sie sind Grund-immunisiert und entwurmt. Du kannst dir die Elterntiere und die Umgebung in der die Katzen leben genau anschauen. Ein guter Züchter wird dir Rede und Antwort stehen, jede menge Tipps geben und er ist auch nach der Abgabe seiner Tiere an ihnen interessiert. Außerdem wird darauf geachtet, in welche Umgebung seine Schützlinge kommen.

Bei Züchtern wird großen Wert auf die Gesundheit und Gesundheitsvorsorge der Tiere gelegt, es wird darauf geachtet mögliche Erbkrankheiten auszuschließen und es werden nur genetisch passende Katzen miteinander verpaart. 

Es ist ratsam, sich vor dem Besuch über den Züchter und dessen Verein zu informieren. Ein Zuchtverein ist ein Zusammenschluss von mehreren Züchtern, die nach der gleichen Vorgabe züchten, so wird ein Rassenstandart gewährleistet.


Tierheim/Tierschutz/Pflegestellen

In diesen Einrichtungen kannst du jede Art von Katze finden. Tierheime und auch Tierschutzorganisationen sind meist sehr voll mit Katzen, dort kann man grobe Charaktereigenschaften und Macken erfragen, allerdings haben diese leider oftmals nicht die Kapazität sich intensiver mit jedem Tier zu beschäftigen und auch die Tiere stecken in einer absoluten Stresssituation, welche den Charakter maßgeblich beeinflussen kann.
Dann gibt es noch die Pflegestellen, dass sind private Haushalte, welche vorübergehend Katzen zu sich aufnehmen und sie im Familienbund betreuen. Hier kann gut abgeschätzt werden, welchen Charakter oder Gewohnheiten das Tier hat.

Bei beiden Einrichtungen ist die tierärztliche Versorgung und die weitestgehend artgerechte Haltung gewährleistet.


Vermehrer/unseriöse Züchter

Der Vermehrer gibt sich gerne als "(Hobby-)Züchter" aus, hat mit diesem allerdings nicht viel gemeinsam, außer, dass er Katzen verkauft.
Seine Katzen werden oft kaum, oder gar nicht, gesundheitlich versorgt. Du bekommst bei diesen Tieren weder den Impfass, noch den Stammbaum obwohl ausdrücklich auf Reinrassigkeit bestanden wird.
Die Verpaarung der Elterntiere ist willkürlich und unterliegt keinerlei Beobachtungen der Häufigkeit sowie einer tierärztlichen Betreuung. Vermehrer wissen wenig über Katzen, ihre Haltung und die Zucht/Aufzucht, daher kommt es öfter zu psychischen und physischen Störungen bei der Katze.

Die Kitten werden unter der 12. Lebenswoche, also viel zu früh, von der Mutter getrennt und dienen lediglich als reine Geldquelle.
Vorzugsweise findet man diese Katzen in Zeitungs- oder Internetinserate.

Um Vermehrer vom Seriösen Züchter unterscheiden zu können, hilft es genauer hinzusehen und -hören.
Vorsicht bei:
  • "günstigen" Rassekitten
  • unkastrierte, erwachsene, (ehemalige) "Zuchttiere"
  • Rasse- oder Rassemischling ohne Stammbäume
  • schlechte Haltung und Versorgung der Tiere
  • keine Mitgliedschaft im Zuchtverein